
Eine IP-Adresse in einem bestimmten Land zu lokalisieren, scheint eine einfache Aufgabe zu sein: Man gibt die Adresse in ein Online-Tool ein und erhält ein Ergebnis. Für die IP 77.87.229.22 ist die Realität jedoch komplexer. Je nach abgefragter Geolokalisierungsdatenbank erscheint diese Adresse mal in Russland (Moskau, Betreiber MTS PJSC), mal in Deutschland (Bonn) und manchmal einfach “in Europa” ohne weitere Präzisierung.
Diese Divergenz zwischen den IP-Geolokalisierungsdiensten ist kein Fehler. Sie spiegelt eine technische Funktionsweise wider, die die meisten Leitfäden nur streifen.
Vergleichsergebnisse der Geolokalisierungsdatenbanken für die IP 77.87.229.22
Die Abfrage mehrerer IP-Geolokalisierungs-Tools für dieselbe Adresse führt nicht immer zu übereinstimmenden Ergebnissen. Die folgende Tabelle fasst die beobachteten Abweichungen für die Adresse 77.87.229.22 gemäß den verfügbaren Daten zusammen.
| Quelle / Datenbank | Angezeigtes Land | Stadt | Betreiber |
|---|---|---|---|
| Einige Datenbanken (z. B. MaxMind) | Russland | Moskau | MTS PJSC |
| Andere Dienste (z. B. DB-IP) | Deutschland | Bonn | Nicht spezifiziert |
| Generische Tools | Europa (ohne Präzisierung) | – | – |
Drei Tools, drei Antworten. Solche Abweichungen treten auf, wenn ein IP-Adressblock die geografische Zuordnung zwischen zwei Betreibern in verschiedenen Ländern ändert. Die Suche nach dem Land, in dem sich die IP-Adresse 77.87.229.22 befindet, setzt daher voraus, dass man versteht, warum diese Datenbanken nicht zur gleichen Zeit die gleiche Antwort geben.
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Warum eine IP-Adresse ohne Vorwarnung das Land wechseln kann
Die IP-Geolokalisierungsdatenbanken lokalisieren kein physisches Gerät. Sie lokalisieren einen Adressblock, der bei einer regionalen Internetregistrierungsstelle (RIR) registriert ist. In Europa ist diese Registrierungsstelle das RIPE NCC.
Jeder IP-Block hat einen WHOIS-Eintrag, der ein Feld “country” und manchmal ein Feld “geoloc” mit Koordinaten enthält. Wenn ein Betreiber einen Block an eine Entität in einem anderen Land abtritt oder überträgt, wird der WHOIS-Eintrag vom RIR aktualisiert.
Die Diskrepanz zwischen WHOIS und kommerziellen Datenbanken
Die WHOIS-Aktualisierung kann schnell sein, aber die großen kommerziellen Geolokalisierungsdatenbanken (MaxMind, IP2Location, DB-IP) geben diese nur in ihrem eigenen Veröffentlichungsrhythmus weiter. Bei MaxMind finden diese Zyklen mehrmals pro Woche statt. Andere Datenbanken aktualisieren seltener.
Während dieser Diskrepanz kann eine Adresse wie 77.87.229.22 tatsächlich in einem neuen Land verwendet werden, während einige Dienste sie weiterhin im alten Land anzeigen. Dies ist die Hauptursache für die in der vorherigen Tabelle beobachteten Widersprüche.
Der spezielle Fall von CGNAT und mobilen IPs
Das Problem verschärft sich für Verbindungen hinter einem CGNAT (Carrier Grade NAT). In diesem Fall entspricht die sichtbare öffentliche IP-Adresse dem Gateway des Betreibers, nicht dem tatsächlichen Standort des Nutzers. Bei mobilem Datenverkehr kann die angezeigte Lokalisierung einen Netzwerk-Knoten widerspiegeln, der mehrere Hundert Kilometer vom Abonnenten entfernt ist.
Verlässliche Methode zur Identifizierung des Landes einer IP-Adresse
Sich auf ein einzelnes IP-Geolokalisierungstool zu verlassen, führt zu einem potenziell veralteten Ergebnis. Das Abgleichen mehrerer Quellen verringert dieses Risiko. Hier sind die konkreten Schritte zur Lokalisierung einer IP mit einem angemessenen Vertrauensniveau.
- Das WHOIS des zuständigen RIR (RIPE NCC für europäische Adressen) abfragen, um direkt das Feld “country” des offiziellen Eintrags zu lesen, ohne kommerzielle Zwischenhändler
- Mit mindestens zwei kommerziellen Geolokalisierungsdatenbanken (MaxMind GeoLite2, IP2Location, DB-IP) vergleichen, um mögliche Abweichungen zu erkennen
- Überprüfen, ob die IP zu einem über BGP angekündigten Bereich eines identifizierten Betreibers gehört, was einen Hinweis auf das Herkunftsland des Netzwerks gibt
- Ein Traceroute-Tool konsultieren, um zu beobachten, durch welche Netzwerk-Knoten der Datenverkehr geleitet wird, was die geografische Region bestätigen oder widerlegen kann
Wenn die Ergebnisse übereinstimmen (WHOIS, kommerzielle Datenbanken und Traceroute zeigen dasselbe Land an), ist die Lokalisierung zuverlässig. Wenn zwei oder mehr Quellen abweichen, bleibt das WHOIS des RIR die aktuellste Referenz, da es den administrativen Zustand des Adressblocks widerspiegelt.
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Grenzen der IP-Geolokalisierung und regulatorischer Rahmen
Die Genauigkeit der Geolokalisierung nach IP-Adresse variiert je nachdem, was identifiziert werden soll. Auf Länderebene ist die Zuverlässigkeit in der Regel hoch, wenn die Datenbanken aktuell sind. Auf Stadtebene steigen die Fehlermargen erheblich, insbesondere bei mobilen Verbindungen oder IPs, die über CGNAT geteilt werden.
Was die IP-Geolokalisierung nicht ermöglicht
Die Lokalisierung des Landes einer IP-Adresse bedeutet nicht, eine Person zu lokalisieren. Die IP-Adresse identifiziert einen Punkt im Netzwerk des Betreibers, nicht ein Zuhause oder ein Büro. Die CNIL betrachtet die IP-Adresse als personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO, was ihre Nutzung zu Profiling- oder Tracking-Zwecken streng regelt.
Für die IP 77.87.229.22 zeigen die verfügbaren Daten eine Lokalisierung, die je nach konsultierten Datenbanken zwischen Russland und Deutschland schwankt. Diese Instabilität ist typisch für einen Adressblock, der kürzlich umverteilt wurde oder von einem Betreiber mit mehreren Ländern stammt.
Ein Punkt bleibt festzuhalten: kein IP-Geolokalisierungstool ist zu einem bestimmten Zeitpunkt unfehlbar. Die Methode, die das zuverlässigste Ergebnis liefert, bleibt die Kreuzung zwischen dem WHOIS des regionalen Registers und mindestens zwei kommerziellen Datenbanken. Für eine Adresse, deren Lokalisierung zwischen den Quellen abweicht, ist der WHOIS-Eintrag die Referenz.